Sunday, May 20, 2018

Stadtlandschaft - Stefan Kurath ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Stefan Kurath (@stadtlandschaft) vorzustellen! Stefan ist Architekt und Urbanist. Nach seinem Studium der Architektur in der Schweiz und den Niederlanden hat er an der HafenCity-Universität in Hamburg in Stadtplanung promoviert. 2013 war er gemeinsam mit Peter Jenni Gewinner des CS-ZHAW-Lehrpreis-2013-Awards für herausragende Lehre. Jetzt ist er Professor für Architekture und Entwurf, Leiter der Instituts Urban Landscape und Büroinhaber des urbanplus.ch Büros für Architektur und Städtebau. Stefan ist auch Verfasser zahlreicher Bücher und Artikel zum Thema Architektur, Städtebau und Raumforschung.

Hier ist Stefan in seinen eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Unbeabsichtigt. Im Ernst. Ich habe zwar nebst meiner Arbeit als Architekt immer geschrieben und war in Teilzeit stets an Hochschulen tätig als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Beim Schreiben geht’s aber vorwiegend um das Beziehen einer architektonischen städtebaulichen Position, die wiederum in der Lehre von Bedeutung ist. Nie aber habe ich auch nur im Ansatz daran gedacht zu promovieren, da zum einen Architektur als nicht wissenschaftliche Disziplin gilt und es zum anderen hieß: nur unfähige Architekten doktorieren (im Selbstverständnis der Architektinnen und Architekten hat der Architekt/die Architektin in erster Linie die Aufgabe, schöne Häuser zu entwerfen - bei Berufungen für Professuren zählen denn auch in der Regel nicht die Forschung, sondern das gebaute Werk). Ich wurde aber eines Tages von einem Professoren mit Hintergrund Wirtschaftsgeschichte - von dem ich inhaltlich sehr viel halte - angefragt, ob ich nicht über ein städtebauliches Thema doktorieren möchte. Das heißt in der Architektur, dass man sich wissenschaftliche anerkannt Forschungsmethoden aus bspw. Geschichte, Soziologie, Ethnologie, etc. aneignet und sich so städtebauliche architektonische Phänomene untersucht. Da mich a. seine Auseinandersetzungen mit Architektur und Stadt interessierte, b. die Betreuungsperson sich als äußerst fair und aufrichtig erwies (gemäß Umberto Eco einer der wichtigsten Faktoren wenn es darum geht, eine
wissenschaftliche Arbeit zu schreiben) habe ich zugesagt. Den Entscheid habe ich bis heute nicht bereut. Auch bin ich deswegen kein schlechterer Architekt geworden - aber sicher ein kritischerer gegenüber der Profession. Parallel zu meiner Forschungstätigkeit habe ich drum auch im eigenen Büro in Zürich und Graubünden gearbeitet und Bauten realisiert.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Architektur und Stadt haben mich seit ich fünfzehn Jahre alt bin fasziniert - auch wenn ich in den Schweizer Bergen auf dem Land aufgewachsen bin. Nach dem Architekturstudium hat mich vor allem interessiert, wie es dazu kommt, dass das, was im Studium vermittelt und in den Architekturbüros erarbeitet wird - sich kaum auf die Stadt des Alltags auswirkt. Das war denn auch die Ausgangsfrage meiner Doktorarbeit: Wie kommt es zur Diskrepanz zwischen dem was Planer beabsichtigen und dem, was sich in der Stadtwirklichkeit tatsächlich abzeichnet. Die Diskrepanz ist groß. Wo also liegen die Grenzen und Chancen der Planung im Spiegel der städtebaulichen Praxis? Ich habe mich also mit der Wirkungsgeschichte und der Rolle von Architekten und Architektinnen und ihren Handlungsstrategien im Alltag auseinandergesetzt. Das tue ich heute noch. Ich profitiere auch in meiner Architekturpraxis von dieser Arbeit und umgekehrt. Deshalb werde ich dieses Thema auch weiter verfolgen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin in der Lehre und Forschung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften tätig und leite zusammen mit Regula Iseli das Institut Urban Landscape mit rund 20 Personen. An unserem Departement erachten wir es als äußerst wichtig, dass die Dozierenden und Forschenden parallel in der Praxis tätig sind, da Lehre und Forschung in Architektur im angewandten Bereich zu verorten ist. Das heißt, dass der Praxisbezug ein Stück weit auch das Vertrauen in meine Lehrbefähigung, aber auch in die Praxistauglichkeit der Forschung stärkt. Im Büro arbeite ich an städtebaulichen Studien und architektonischen Projekten. Ich selber arbeite dabei in Zürich mit zusammen mit einem Partner in Graubünden. Der Spagat ist groß, die Zeit ist knapp, aber eben die gegenseitig Befruchtung sehr groß.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die öffentliche Hand investiert sehr viel Geld in die Planung von Quartieren, Siedlungen, Infrastrukturen, öffentlichen Raum, Studien zur zukünftigen Entwicklung, und gleichzeitig sind zumindest im Städtebau und in der Raumplanung nur sehr wenige Auswirkungen dieser Planungen im Alltag sichtbar - insbesondere in den Agglomerationen und Metropolitanräumen, also außerhalb der historischen Dorf- und Stadtkerne. Dies hängt zusammen mit der Kurzfristigkeit gesellschaftlicher Bedürfnisse und der Langfristigkeit der Planungen. Das heißt vereinfacht gesagt, was heute geplant wird, interessiert morgen kaum mehr jemanden. Planungen verliert also im Laufe der Zeit die gesellschaftliche Entsprechungen - sie werden (wenn die Verknüpfungen zu sich verändernden Bedürfnissen der Gesellschaft nicht aufrecht erhalten werden) zur Makulatur. Dies ist vorwiegend auf Misskonzeptionen der Handlungsstrategien in Architektur und Städtebau zurückzuführen. Planer und Planerinnen sind sich ihrer nicht intendierten Folgen durch Planung zu wenig bewusst. Planer und Planerinnen gehen von Ursache und Wirkung aus. Der Alltag zeigt aber eher die Verkettung von Ursache mit Ursache mit Ursache. Ich kann durch meine Arbeit aufzeigen, wie planerische Inhalte über längere Zeit „im Gespräch“ bleiben können und was zu tun ist, damit sich die Realisierungschancen planerischer Ziele verbessern. Wer sich also für meine Forschung interessiert, erhält als Resultat nicht nur die (nach baukünstlerischen Kriterien) schönere Stadt, sondern setzt seine Mittel auch effizienter ein (allerdings ohne Garantie ;-))

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nebst Lehre, Forschung und Praxis bin ich in Vorständen von Berufsverbänden wie Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein (SIA) und Beobachter für Wettbewerbe und Ausschreibungen (BWA) tätig

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Architektur, Städtebau, Skifahren, Wildwasserkajak (wobei für die letzten beiden Positionen kaum Zeit bleibt)

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Der ideale freie Tag verbringe ich mit meiner Familie.

Bitte begrüßt Stefan ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 13, 2018

Die Jagd nach zoonotischen Viren - Dr. Katharina Kopp ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Dr. Katharina Kopp (@koppk_OHPGXC) vorzustellen! Katharina ist Expertin in Infektionskrankheiten und hat 1994 an der Ludwig-Maximilians-Universität München in Tiermedizin promoviert. Jetzt ist sie selbstständige Freiberuflerin mit ihrem Ein-Frau-Unternehmen One Health Pathogenomics Consulting Dr. Katharina Kopp. Katharinas anderer Twitter-Account ist Zoonotic Virus Discovery Paper Bot, auf dem Tweets mit Links zu Artikeln über zoonotische Viren gepostet werden.

Hier ist Katharina in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Promotion nach Tiermedizinstudium, da ich mich auf Tropenveterinärmedizin spezialisieren wollte. Infektionskrankheiten waren schon im Studium “mein Ding” und Afrika sowieso.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden und/oder was hält dich dort?
Begeisterung für Infektionskrankheiten, Tropen, Feldarbeit und Computer sowie die Kombi aus all dem.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich habe mit tropischen Zecken und von diesen übertragenen Krankheiten während meiner Promotion angefangen. Dann spezialisierte ich mich weiter auf Tropenveterinärmedizin und “Animal Health Management” und arbeitete in Ostafrika in Projekten über Zoonosen, u.a. Trypanosomiasis (Schlafkrankheit/Nagana) und atypische Mykobakterien in Haus- und Wildtieren.

Virologie war schon immer meine Lieblingsdisziplin, so dass ich dann in die damals sich verbreitende molekularbiologische Diagnostik einstieg. Nach vielen Jahren im Feld in Ostafrika und einem Studium der Bioinformatik und Arbeit in einer strukturbiologischen Gruppe an der Uni in Deutschland, ging ich wieder für eine Weile ins Labor nach Australien, um über Viren zu forschen. Erst arbeitete ich in einer HIVGruppe, dann in einer “Special Pathogens” Gruppe, die sich hauptsächlich mit “Emerging Infectious Diseases” beschäftigt, deren bekannte oder vermutete Reservoirwirte Fledermäuse sind.

Davon ausgehend kehrte ich wieder nach Ostafrika zurück und untersuchte mit molekularbiologischen und bioinformatischen Methoden im Feld nach “neuen”, noch unentdeckten Viren und anderen Pathogenen in Wildtieren. Nun bin ich, zumindest zwischenzeitlich wieder in Deutschland und versuche meine angesammelten Erfahrungen im Feld zu “verarbeiten”.

Ich habe ein Ein-Frau-Consulting-Unternehmen gegründet und biete Beratung und Training rund um “Pathogen Discovery” an, von der sicheren Probengewinnung im Feld, über molekularbiologische
Untersuchung bis zur bioinfomatischen Datenanalyse. Dabei liegt mein Fokus weiterhin auf dem “One Health” Konzept, also der interdisziplinären Schnittstelle zwischen Tiermedizin und “Public
Health” und allen kooperierenden Disziplinen, wie z.B. Anthropologie oder Ökologie.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Infektionskrankheiten sind per se “interdisziplinär” (oder sollte ich sagen “un-disziplin-iert”?). Sie halten sich weder an Landesgrenzen, noch an strikte Beschränkung auf eine Wirtsspezies. Ohne die
Einbeziehung möglichst vieler Faktoren, wie Umwelt, Klima, sozioökonomische Strukturen, Biodiversität etc., können wir die komplexen Zusammenhänge nicht ausreichend verstehen, die in
letzter Zeit zum verstärkten Auftreten von “Emerging und Reemerging diseases” und “Species Spillover” führen. Ein tieferes Verständnis dieses Pathogen-Wirt-Umwelt Netzwerkes ist aber
dringend notwendig, um “alte” Seuchen zu kontrollieren oder “neue” gar nicht erst Fuß fassen zu lassen (Stichworte: HIV, Ebola, MERS,…).

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Wildtierschutz (Conservation) in Zusammenarbeit mit the Uganda Canivore Program (Facebook-Seite hier) und die dazugehörige Community-Arbeit.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich coache/trainiere/manage ostafrikanische Jugendgruppen in Akrobatik unter dem Motto: “Saltos statt Wildern!”

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Sport, Sport, nochmals Sport und dann ganz viel richtig guten Kaffee in toller Landschaft trinken (Berge, Seen, Meer, Savanne oder Tropenwald) und sich dabei mit netten Leuten aus ganz anderen Fachgebieten und mit ganz anderen Lebensentwürfen unterhalten.

Bitte begrüßt Katharina ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 6, 2018

Ohne Moos nix los - Ralf Reski ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Ralf Reski (@ReskiLab) vorstellen! Ralf ist Professor für Pflanzenbiotechnologie an der Universität Freiburg und hat sich ganz den Moosen verschrieben. Im Laufe seiner Karriere hat er intensiv Genetik und Stoffwechsel von Moosen beforscht -- unter anderem war er an der Entschlüsselung des Genoms von Physcomitrella patens beteiligt -- und Moose als Modellorganismen populär gemacht. Ralf ist Mitbegründer der Greenovation Biotechnologie GmbH, die einen Moosbioreaktor zur Arzneimittelherstellung entwickelt hat, sowie -- unter anderem -- des International Moss Stock Centers, der Spemann Graduiertenschule für Biologie und Medizin, und des Exzellenzclusters Zentrum für Biologische Signalstudien (bioss).

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Zuerst wollte ich Journalist werden, dann Lehrer. Meine Staatsexamensarbeit hat mich überzeugt, dass Wissenschaftler die beste Wahl ist.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Schon in der Staatsexamensarbeit habe ich an Moos geforscht. Es gibt noch so unglaublich viel zu entdecken!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Wir versuchen, erstklassige Grundlagenforschung zu machen und dabei mögliche Anwendungen nicht aus den Augen zu verlieren.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Zum einen, weil Moose unglaublich interessant sind, zum anderen, weil die Verbindung von Grundlagenforschung und Anwendung (Innovationen!) ein höchst spannendes gesellschaftliches Thema ist.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Unternehmensgründer, Politikberater, Arbeit in der universitären Selbstverwaltung, Wissenschaftskommunikation

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein Beamter ist immer im Einsatz. ;)

Bitte begrüßt Ralf ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 29, 2018

Lesen lernen - Xenia Schmalz ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Xenia Schmalz (@xenia_sch) vorzustellen! Xenia hat in Australien Psychologie studiert und dann in Sydney in Kognitionswissenschaften promoviert. In ihrer Promotion beschäftigte sie sich damit, wie sich die kognitiven Prozesse beim Lesen in Deutsch und Englisch unterscheiden. Nach ihrem Studium verbrachte sie zwei Jahre als Postdoc in Padua und arbeitet aktuell als Postdoc in München. Sie interessiert sich weiterhin für das Thema Lesen in verschiedenen Sprachen und für kognitive Defizite, die zu Lese- und/oder Rechtschreibschwäche führen können. 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich komme aus einer Akademikerfamilie, und dass ich nach dem Bachelorstudium weiterstudiert habe war für mich irgendwie ganz natürlich. Danach habe ich für zwei Jahre als Postdoc in Padua (Italien) gearbeitet, und bin jetzt in München gelandet. Besonders hat mich an einer wissenschaftlichen Karriere gereizt, dass ich unabhängig bin und an Themen arbeiten kann, die mich wirklich interessieren. Bis jetzt bin ich nicht enttäuscht worden!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mein Forschungsgebiet ist Kognitionspsychologie/Psycholinguistik. Ich habe Psychologie an der Australian National University in Canberra studiert, und habe mich immer für Sprachen interessiert. Während meiner Bachelor-Arbeit habe ich an einem Projekt über Lesen Lernen gearbeitet. Ich fand das Thema interessant und habe auch zu diesem Thema an der Macquarie University in Sydney promoviert.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Die meisten von uns lesen täglich (seien es Bücher, Zeitungen, Facebook, oder Werbungen in der U-Bahn), ohne dass es uns bewusst wird, wie komplex der Prozess des Lesens ist. Dass wir aus visuellen Symbolen komplexe Konzepte und Sichtweisen entnehmen können, ist schon ziemlich beeindruckend. Ich arbeite mit Kindern und Erwachsenen. Mein Ziel ist es, besser zu verstehen, welche kognitiven Prozesse für das Lesen und Lesen Lernen wichtig sind.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Da ich vor allem Grundlagenforschung betreibe,  fällt es mir manchmal schwer zu erklären, wieso meine Forschung wichtig und interessant ist. Wahrscheinlich hat wenig von dem, was ich mache, unmittelbare Anwendungen in der Praxis. Aber ein besseres Verständnis der kognitiven Prozesse, die dem Lesen Lernen zugrunde liegen, geben uns Einsichten darüber, wie man in der Schule das Lesen unterrichten sollte, und wie wir Kindern mit Leseschwäche am besten helfen können.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich für Open Science. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass wir unsere Resultate einer breiten Öffentlichkeit vermitteln. Das schließt  auch Informationen darüber ein, wie wir zu unseren Schlussfolgerungen gekommen sind. Leider gibt es zum Thema Lesen lernen und  Lese- und Rechtschreibschwäche ziemlich viel Quacksalberei. Wenn wir als Wissenschaftler ernst genommen werden wollen, müssen wir auch unsere Methoden klar darstellen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele Cello und Klavier und reise und lese sehr gerne. Ich treibe auch ziemlich viel Sport (als Ausgleich dafür, dass ich die meiste Arbeitszeit am Schreibtisch vor dem Computer verbringe).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Da sehe ich zwei Möglichkeiten: Entweder eine neue Stadt in einem neuen Land erkunden, oder ein entspannter Tag zu Hause: Brötchen zum Frühstück, ein Spaziergang oder Fahrradausflug mit meinem Mann, Musik, Lesen, und dann irgendwas leckeres zum Abendessen.

Bitte begrüßt Xenia ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 22, 2018

Kampf den Antibiotikaresistenzen - Uli Klümper ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Uli Klümper (@UliKluemper) vorstellen! Uli hat in Duisburg-Essen „Water Science“ studiert und 2009 seinen Bachelor- und 2011 seinen Mastertitel erworben. Nach Forschungsaufenthalten in Wales und Hong Kong hat er seine Doktorarbeit unter Anleitung von Prof. Barth F. Smets an der Technical University of Denmark in Lyngby verfasst und 2015 abgeschlossen. Anschliessend verbrachte er einen zweijährigen Postdoc im European Centre for Environmental and Human Health an der University of Exeter, UK. 2017 erhielt er ein Individual Research Fellowship vom europäischen Marie-Curie-Forschungsprogramm um mit Prof. Angus Buckling und Prof. Will Gaze im College of Life and Environmental Sciences, University of Exeter an der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen in bakteriellen Gemeinschaften zu forschen.
  
Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Schon während der Schulzeit war ich mir eigentlich immer sicher, dass ich etwas mit Naturwissenschaften studieren wollte. Nachdem ich mich während meines „Water Science“ Studiums (Universität Duisburg-Essen) über diverse Forschungsprojekte und Auslandsaufenthalte (Wales, Hong Kong) einmal in der Universitätswelt eingelebt hatte, war mir eigentlich klar, dass eine wissenschaftliche Karriere genau das richtige für mich ist. Entsprechend habe ich mir eine PhD-Stelle im Ausland (Technical University of Denmark) gesucht und kann mir auch nach dem jetzigen Wechsel zum PostDoc aktuell nur schwer vorstellen, der Wissenschaft und Forschung in der Zukunft den Rücken zu kehren. Einer meiner liebsten Aspekte in der Wissenschaft ist die Möglichkeit, Kollaborationen mit Laboren aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen einzugehen und über Reisen zu Konferenzen verschiedene Teile der Welt zu erkunden.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Während meiner Masterarbeit in Hong Kong habe ich realisiert, dass ich gerne eine längere Zeit im Ausland verbringen möchte und mich entsprechend auf die Suche nach PhD Stellen in der angewandten Mikrobiologie gemacht. Auf ein bestimmtes Feld hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht festgelegt und mir auch Stellen in biologischer Abwasserreinigung und Bioremediation von mit Schadstoffen belasteten Ökosystemen angeschaut. Im Nachhinein bin ich allerdings sehr froh über meine finale Entscheidung, mich während meiner Doktorarbeit der Ausbreitung von Resistenzgenen in bakteriellen Gemeinschaften zu widmen. Antibiotikaresistenzgene, vor allem in Krankheitserregern, werden zu einem immer grösseren Problem für unsere Gesundheit, da die herkömmlichen Antibiotika ihre Wirkung verlieren. Die Arbeit in einem gesundheitsrelevanten Bereich ist motivierend und herausfordernd und gibt mir das Gefühl, mit meiner Arbeit einen Unterschied ausmachen zu können. Da Bakterien nicht nach Tarifplan arbeiten, ist meine Arbeitszeit außerdem sehr flexibel, je nachdem wie ich meine Experimente plane. Diese Freiheit in der Gestaltung meiner Forschung und Arbeitszeit will ich auf keinen Fall missen, auch wenn es hin und wieder mal unerwarteter Weise ein Wochenende kosten kann.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin aktuell seit 2.5 Jahren in Penryn (UK) and der University of Exeter, zuerst als Postdoctoral Research Fellow und nun als individueller Forscher finanziert über das europäische Marie-Curie-Forschungsprogramm. Als Mikrobiologe befinde ich mich tagtäglich im Labor, wo ich mich mit meinen Bakterien beschäftige. Bakterien leben in der Umwelt in sehr diversen Gemeinschaften von mehreren Milliarden Mikroorganismen und in meiner Forschung nutze ich jene Mikroorganismen, die im Verdauungstrakt von Schweinen vorkommen, als Modell. Entsprechend begebe ich mich regelmässig auf eine lokale Schweinefarm um Stuhlproben der dort ansässigen Schweine einzusammeln. Im Labor kultivieren wir die Bakterien aus diesen Proben, um sie in meinen Experimenten zu nutzen. In meinem Projekt versuchen wir jene Umweltbedingungen zu identifizieren, in denen ein Bakterium das resistent gegen ein bestimmtes Antibiotikum ist einen selektiven Wachstumsvorteil gegenüber einem für dieses Antibiotikum anfälliges Bakterium hat, und sich dadurch ausbreiten kann. Auf diesem Wege können wir dann in der Zukunft Massnahmen treffen, um diese Bedingungen die zur Ausbreitung von Resistenzen beitragen zu vermeiden.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Antibiotikaresistenz und im speziellen die Entstehung und Ausbreitung von multiresistenten Krankheitserregern steht auf der Liste der Gefahren für die zukünftige Gesundheit der Menschheit sehr weit oben. Diese Superbugs sind mit den aktuell klinisch verfügbaren Antibiotika nicht mehr behandelbar und somit ein sehr komplexes und auch internationales (Bakterien kennen keine Grenzen) Problem für unsere Gesundheit.
Ein vom britischen Gesundheitsministerium veröffentlichter Report aus dem Jahr 2014, schätzt, dass falls keine Maßnahmen ergriffen werden, im Jahr 2050 mit bis zu 50 Millionen Todesfällen pro Jahr durch resistente Bakterien zu rechnen ist. Es ist also essentiell, die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen, um schnellstmöglich eingreifen zu können.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele aktuell mehrmals die Woche aktiv Fußball, gehe regelmässig und sehr gerne auch ins Stadion um unseren lokalen Verein zu unterstützen. Zudem bin ich ein großer Fan von Brettspielen und mindestens einmal die Woche findet man mich im Pub um an einem Pubquiz teilzunehmen. Um als Ausgleich zur Laborarbeit in die Natur zu kommen, schnappe ich mir ausserdem regelmäßig mein GPS-Gerät und begebe mich auf die Suche nach versteckten Geocaches an schönen Orten.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein idealer Tag beginnt mit langem Ausschlafen, gefolgt von einem ausgiebigen Frühstück mit echtem deutschen Aufschnitt (den ich hier in England wirklich vermisse). Anschliessend geht es bei bestem Wetter ins Fussballstadion um unseren lokalen Verein zu supporten. Um den Tag ausklingen zu lassen, begebe ich mich anschließend an den Strand um bei Sonnenschein einen ausgiebigen Grillabend mit Freunden zu verbringen.

Bitte begrüßt Uli ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 15, 2018

Globukalypse now - Natalie Grams ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch eine alte Bekannte vorzustellen: Natalie Grams (@nataliegrams1)! Vor genau einem Jahr sie hat uns zum ersten Mal als Kuratorin beehrt. Seitdem ist einiges passiert -- unter anderem hat sie ein neues Buch veröffentlicht -- und das wollten wir uns von ihr persönlich erzählen lassen.

Das Interview vom letzten Jahr findet ihr hier, und so stellt sich Natalie in ihren eigenen Worten vor:

Ich bin Ärztin und ehemalige Homöopathin. In meinem Buch "Homöopathie neu gedacht" beschreibe ich meinen Weg heraus aus der Homöopathie, breche darin aber auch eine Lanze für mehr Empathie und Zuwendung in der normalen Medizin. Als Kommunikationsmanagerin der GWUP und als Leiterin des Informationsnetzwerks Homöopathie setze ich mich mit Leidenschaft und Engagement dafür ein, dass Patienten und Laien über die Homöopathie und andere pseudomedizinische Verfahren zunehmend richtig informiert werden.
Dazu erschien im Oktober 2017 auch mein Appell für eine vernünftige Medizin „Gesundheit! Ein Buch nicht ohne Nebenwirkungen“.

Ich setze mich vielfältig für Aufklärung rund um falschen Glauben, Esoterik und Alternativmedizin ein. Zum Bespiel für den Deutschen Konsumentenbund, als ehrenamtliche Vize-Präsidentin des Humanistischen Pressedienstes, als Beirätin der Giordano-Bruno-Stiftung sowie als Mitglied im Münsteraner Kreis.

Bitte begrüßt Natalie ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 8, 2018

Kinder, Kinder - Janna Gottwald ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch Janna M. Gottwald als neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Janna ist Postdoc und wissenschaftliche Mitarbeiterin in Entwicklungspsychologie an der Universität Durham, Vereinigtes Königreich.
Sie hat Psychologie an den Universitäten Kiel und Potsdam studiert und hat als Marie-Curie Stipendiatin an der Universität Uppsala, Schweden in der Entwicklungspsychologie promoviert.
In ihrer Doktorarbeit hat sie sich mit motorischer Handlungsplanung und frühen kognitiven Prozessen im Säuglingsalter beschäftigt. Derzeit forscht sie hauptsächlich zur Entwicklung von Körperrepräsentation und Bewegung im Kindesalter.

Mehr über Janna erfahrt ihr in ihren eigenen Worten hier:


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Ich habe Psychologie studiert mit dem klaren Ziel, Psychoanalytikerin zu werden.
An der Psychoanalyse reizte mich damals das analytische Denken und die Haltung, die menschliche Psyche in ihrer Komplexheit grundlegend verstehen zu wollen.
An der Uni erschien mir dann die Entwicklungspsychologie am ehesten mit psychoanalytischen Ansätzen vereinbar. Besonders spannend fand ich die Säuglingsforschung, die sich schließlich die Bedeutung der ersten Lebensjahre für die menschliche Entwicklung beschäftigt! Ich habe daher meine Diplomarbeit an der Uni Potsdam in dem Bereich geschrieben und mich mit frühkindlichen Aufmerksamkeitsprozessen und deren neuropsychologischen Korrelaten beschäftigt. Der ganze Prozess, von Planung und Literaturrecherche über Datenerhebung und Datenanalyse bis hin zum Aufschreiben, hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich für die Wissenschaft entschieden habe. Ich hatte außerdem Glück mit meiner Diplomarbeitsbetreuerin (Prof Birgit Elsner), die mich gefördert und unterstützt hat, und mir direkt nach dem Diplom eine Stelle angeboten hat.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ursprünglich bin ich über mein Interesse an der Psychoanalyse zur Entwicklungspsychologie gekommen. Durch mein Psychologie-Studium und meine Diplomarbeit habe ich meine Liebe zur Grundlagenforschung und Methodik entdeckt. Insbesondere die Säuglingsforschung und ihre Möglichkeiten, komplexe Entwicklungsprozesse untersuchen (und hoffentlich verstehen!) zu können hat mich gereizt. Außerdem finde ich es spannend, die vorsprachliche Zeit direkt (und nicht retrospektiv) untersuchen zu können und dabei Verzerrungen durch sozial erwünschtes Verhalten der Versuchsteilnehmer_innen vermeiden zu können. Persönlich gefällt mir auch sehr der Kontakt mit Eltern und ihren Kindern. Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich schon Säuglinge sind! Es gefällt mir, Studien mit Aufgaben zu planen, die möglichst spannend und unterhaltsam für die Kinder sind.
Mein Doktorarbeitsprojekt in Schweden an der Uni Uppsala hat mich weiterhin in meiner Wahl bestätigt. Ich habe dort im Babylab Zusammenhänge von sensu-motorischer und kognitiver Entwicklung untersucht. Und wieder hatte ich Glück mit einem sehr inspirierenden Betreuer (Prof Gustaf Gredebäck), der meine Begeisterung für die Entwicklungspsychologie (und die Wissenschaft allgemein) weiter befördert hat.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin seit drei Monaten in Durham, England, und arbeite im Bereich sensu-motorische Entwicklung, nun mit etwas älteren Kindern (4- bis 12-Jährige). Zusammen mit Dr Dorothy Cowie untersuche ich, wie Kinder ein Gefühl für ihren eigenen Körper entwickeln. Woher wissen wir, dass zum Beispiel die eigene Hand zum eigenen Körper gehört? Wie verändert sich diese sogenannte Körperrepräsentation im Laufe der Zeit und wie unterscheidet sie sich von der von Erwachsenen? Dabei schaue ich, wie die verschiedene Sinne, wie Sehen und Fühlen, zusammenspielen, und inwiefern Kinder die verschiedenen Sinneseindrücke miteinander integrieren. Zusätzlich interessiere ich mich dafür, welche Rolle eigene Bewegung dabei spielt. Zurzeit arbeite ich viel mit dem experimentellen Paradigma der Rubber Hand Illusion, d.h. die Kinder sehen, wie eine künstliche Hand mit einem Pinsel gestrichen wird, während ihre eigene Hand (nicht sichtbar!) ebenso gestrichen wird. Nach einer Weile geben die meisten Kinder an, das Gefühl zu haben, dass die künstliche Hand zu ihnen gehört, und wenn sie gefragt werden mit geschlossenen Augen zu zeigen, wo ihre Hand ist, zeigen sie eher in Richtung der künstlichen Hand als in Richtung der eigenen Hand. Zur Zeit testen wir gerade viele Schulkinder, was sehr praktisch und effizient ist! Wir besuchen die Schulen tageweise und testen viele Kinder einzeln hintereinander.
Zudem leite ich ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Uni Uppsala in Schweden. In dem Projekt untersuche ich, inwiefern motorische Planung von Greifhandlungen mit der Entwicklung der exekutiven Funktionen in den ersten zwei Lebensjahren zusammenhängt. Hängen motorische und kognitive Planung miteinander zusammen? Und welche Rolle spielt der elterliche Einfluss? Dazu werde ich eine Längsschnittsstudie mit vielen Säuglingen durchführen, die nächstes Jahr anläuft.



Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine Hoffnung ist, dass meine Forschung dazu beiträgt, die körperliche und kognitive Entwicklung von Kindern tiefergehend zu verstehen. Wenn wir besser erklären können, wie Kinder ein Gefühl für den eigenen Körper entwickeln und welche Rolle Bewegung und multisensorische Prozesse dabei spielen, könnte eventuell Menschen mit Körperbildstörungen oder Menschen mit Prothesen geholfen werden. Wenn wir besser erklären können, wie sich unsere exekutiven Funktionen entwickeln, könnten darauf aufbauend eventuell Trainings entwickelt werden, um Kinder mit Schwierigkeiten in diesem Bereich (z.B. Kindern mit ADHS) zu unterstützen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich habe eine Weile zusätzlich als externe Gutachterin für eine norwegische Universität gearbeitet, und habe Gastvorlesungen gehalten. Dabei haben mir meine Schwedisch-Kenntnisse sehr geholfen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich fotografiere sehr gern und teile meine Begeisterung dafür auf Instagram (@kvinnalene). Ähnlich wie auf Twitter bin ich dort umgehen von vielen anderen mit den gleichen Interessen. Ich treffe viele von meinen Instagram-Followern im analogen Leben zu Fotowalks und zum Teil haben sich Freundschaften daraus entwickelt. Fotografieren ist ein toller Ausgleich zum manchmal etwas stressigen Forscherinnenleben und ich nutze jede Konferenzreise zur Dokumentation der neuen Umgebung. Am liebsten fotografiere ich jedoch Hunde.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein idealer freier Tag beginnt mit frisch geröstetem Kaffee und hält gutes Fotowetter bereit. Mein Freund und ich spazieren den ganzen Tag durch die Stadt (Berlin oder Stockholm) und fotografieren. Zwischendurch gehen wir schwedisch Kaffeetrinken. Abends gehe ich zum Yoga. Am nächsten Arbeitstag habe ich dann Inspiration für neue Projekte.

Bitte begrüßt Janna ganz herzlich bei Real Scientists DE!